Ärger im neuen Billigmode-Boomland

Handelsblatt – 11. März 2017

Der Mindestlohn liegt in Myanmar bei 2,50 Euro – pro Tag. Ein Grund dafür, warum die Textilindustrie gerade boomt. Auch deutsche Konzerne lassen hier produzieren. Jetzt allerdings regt sich Protest.

Textilfabrik Shweyi Zabe in Myanmar Näherinnen arbeiten in einer Halle der Textilfabrik Shweyi Zabe in Rangun. Myanmar hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für die billige Produktion von Kleidung entwickelt. (Foto: dpa)

AUSSTELLUNG

Am Sonntag, 12. März, um 11.30 Uhr wird Martin Steffens seine Ausstellung mit Bildern aus Myanmar im Schützenhof Jever eröffnen. Dafür wird er auch einen Einführungsvortrag halten. Die Bilder sind dort bis Mai zu sehen.

Da sich Steffens in Myanmar inzwischen bestens auskennt, kann er – anders als der normale Tourist – ganz nah an die Menschen herankommen. Seine Motive: Menschen in ihren ganz normalen Lebenssituationen. „Da sie mich inzwischen kennen, lassen sie mich einfach machen und stören sich nicht daran, dass ich sie fotografiere“, sagt er. Und damit sind ihm eindrucksvolle Porträts gelungen. So hat er Arbeiter und auch Arbeiterinnen aufgenommen, die im Hafen Schiffe entladen. „Sie verdienen damit, wenn es gut läuft, fünf Euro am Tag.“ Und wenn er auf einem Foto nur ihre Füße zeigt und die Schwielen daran, wird deutlich, wie hart sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen.

„Zu der Ausstellung werden wir zwei Gerichte aus Myanmar in die Speisekarte aufnehmen“, sagt Wirt Stephan Eden. „Von jedem Gericht, das bestellt wird, geht ein Euro an Martin Steffens, den er in Myanmar für die Menschen investieren kann.“

Live-Bildershow: „Myanmar“

19. MÄRZ 12:00 – 13:30

Das K Stuttgarter Str. 65, 70806 Kornwestheim

«Myanmar — Zauber eines goldenen Landes»: Unter diesem Motto steht der Live-Vortrag von Andreas Pröve, der seit über 30 Jahren eine große Begeisterung für Burma hegt. Im Rahmen der Fernsicht-Tage berichtet er über seine 3000 Kilometer lange Rollstuhl-Reise durch ein Land, in dem Geister herrschen, wo Männer wie Frauen Röcke tragen und jeder Mann einmal in seinem Leben Mönch war.

Gold schürfen in Kachin

Neue Zürcher Zeitung – 10. März 2017

Über das Myitsone-Staudammprojekt weiss der Goldsucher Min Min so gut wie nichts. Es sei gestoppt worden, das sei gut, meint der 35-Jährige mit abwesender Miene. Seine Augen richten sich auf die losen Steine, den harten, ausgetrockneten Boden und auf den wild zuckenden Wasserschlauch. Mit dem Strahl, so dick wie sein sehniger Unterarm, schwemmt er das Geröll auf. Seine Frau Ma Hnin und die zehn- und sechzehnjährigen Söhne halten derweil das künstliche Bachbett intakt, aus dem die Familie mit ihrem Schuften Goldstaub extrahieren wird.

Eine Burmesin versucht ihr Glück am Irrawaddy in der Nähe von Myitsone. (Bild: Nyein Chan Naing / EPA)